Mit dem Fahrrad auf Geschichtstour – Landfrauen entdecken Harbers bewegte Vergangenheit
Rund 40 Landfrauen aus der Gemeinde Hohenhameln machten sich jetzt im Rahmen einer Sternfahrt mit dem Fahrrad auf den Weg nach Harber. Dort erwartete die Teilnehmerinnen ein abwechslungsreicher Dorfrundgang mit vielen interessanten Einblicken in die Geschichte des Ortes.
Die Führung übernahm die Landfrau und Kirchenvorsteherin Andrea Ebeling. Sie führte mit viel Herzblut und einigen humorvollen Anekdoten durch das Dorf. Besonders beeindruckte die Teilnehmerinnen die Geschichte der St.-Katharinen-Kirche mit ihrem romanischen Turm aus dem 13. Jahrhundert und der leidvolle Lebensweg der Namenspatronin.
Großes Interesse weckte auch die alte Kirchentür. Während des Krieges, so berichtete die Kirchenvorsteherin, sollen Einschläge und Beschädigungen noch lange sichtbar gewesen sein. Viele Harbschen hätten in schweren Zeiten in der Kirche Trost und Schutz gesucht. Die alte Tür gelte deshalb bis heute als stiller Zeuge bewegter Jahre. Eine Erinnerung an die Sorgen und Ängste der damaligen Generationen.
Ein weiterer spannender Punkt des Dorfrundgangs war die historische Zugehörigkeit Harbers zum „Großen Freien“. Andrea Ebeling erläuterte, dass diese besondere Region bereits im Mittelalter eine gewisse Eigenständigkeit besaß.
Die Bewohner galten als freie Bauern und verfügten über Rechte, die in anderen Gegenden keineswegs selbstverständlich waren. So durften sie unter anderem eigene Versammlungen abhalten und bestimmte Angelegenheiten selbst regeln. Die Kirchenvorsteherin erklärte augenzwinkernd, dass die Menschen aus dem Großen Freien schon damals als selbstbewusst und freiheitsliebend galten. Alles Eigenschaften, die man den Einwohnern der Region bis heute gerne nachsagt.
Ebenso eindrucksvoll war der sogenannte Sühnestein in Harber. Andrea Ebeling erläuterte, dass solche Steine früher häufig zur Erinnerung an Unglücksfälle oder gewaltsame Auseinandersetzungen errichtet wurden. Der Stein in Harber wurde bei Kanalbauarbeiten wiederentdeckt.
Welche Wirtschaftskraft auch in einem kleinen Dorf stecken kann, erfuhren die Landfrauen am Standort der ehemals größten europäischen Sargfabrik in Harber. Diese war über viele Jahre ein wichtiger Arbeitgeber im Dorf und weit über die Region hinaus bekannt. Andrea Ebeling berichtete, dass die Handwerkskunst dort einen hohen Stellenwert hatte und die Särge damals noch vielfach in sorgfältiger Handarbeit gefertigt wurden. Mit einem Augenzwinkern erzählte die Kirchenvorsteherin auch, dass die Kinder früher großen Respekt vor den langen Werkhallen hatten und sich allerlei Geschichten darüber erzählten.
Nach dem informativen Rundgang klang der Nachmittag bei einem gemütlichen Kaffee trinken im Dorfgemeinschaftshaus in geselliger Runde aus. Bei Kaffee und Kuchen wurden die gehörten Geschichten noch einmal ausgetauscht und zahlreiche Erinnerungen an frühere Zeiten geteilt. Die Teilnehmerinnen waren sich einig: Die Sternfahrt bot eine gelungene Mischung aus Bewegung, Gemeinschaft und Heimatgeschichte.

